GESCHICHTE DER PFARRE RITZING


VON MAG. DR. ERNST MIHALKOVITS

Aus der Kirchengeschichte von Ritzing


Die erste urkundliche Erwähnung unseres Heimatortes anlässlich einer Grenzbeschreibung als Ryczyng (h) stammt aus dem Jahre 1349.
Ritzing wurde als ein bayerisches Angerdorf in Form eines länglichen Dreieckes angelegt. Der Gründer des Ortes war Ritzo mit seinem althochdeutschen Personennamen, an welchen als Sippenbezeichnung ein “ing” angehängt wurde. Die deutsche Besiedlung in unserer Gegend erfolgte bereits im 11. Jahrhundert.
Einige Historiker, wie der Kirchenhistoriker Msgr. Mag. Josef Rittsteuer, sind der Ansicht, dass Ritzing bereits im Jahre 1222 besiedelt war und von der alten Marienpfarre Unterfrauenhaid (“terra ville Marie”) seelsorglich betreut wurde. Unterfrauenhaid wurde von den Türken 1529 total zerstört und erst Jahre danach von Kroaten neu besiedelt. Auch alle anderen Orte unseres Gebietes wurden durch die Türkenkriege schwer in Mitleidenschaft gezogen.
Im Jahre 1524 verfügte eine Frau namens Barbara, die Gattin des Pentó Janos, in einem Testament, dass die Pfarre Ritzing 4 Ochsen und 26 Gulden in barem Geld erben sollte. Der Familie des Pentó Janos und seiner Gattin Barbara gehörte ein Edelhof in Muzsaj. Im Jahre 1597 war der Protestant Franz Dersffy Grundherr von Landsee-Lackenbach. Er wollte alle Untertanen in seinem Herrschaftsbereich nach dem Prinzip “cuius regio - eius religio” (wessen Herrschaft - dessen Glaube) der Reformation zuführen. Dersffy betraute Jakob Egerer als evangelischen Prediger (concionator) mit der Seelsorge in Ritzing.
Im Jahre 1600 unterschrieb dieser das Konkordienbuch als “minister verbi Divini in ecclesia Riczinggensi bona fide, pio corde et pacata concietia” (sinngemäß: „Diener Gottes vertraut auf die Worte Gottes in der guten Ritzinger Kirche und er erlöse euch von euren Sünden”). Ab 1597 wurde Johann Alger evangelischer Prediger in Ritzing. Auch er hatte in Lockenhaus das Konkordienbuch als „Diener des göttlichen Wortes mit gutem Gewissen und ohne jede Furcht” unterschrieben. Als nun Johann Alger bei der katholischen Visitation im Jahre 1597 durch den Archidiakon und Erzpriester von Ödenburg, Georg Dubovsky mitgeteilt wurde, dass er als „sektisch” von ihm nicht anerkannt werde, gab er aus Furcht an, dass er „jedoch erkhenne ine herrn Erzpriester fordericht den herrn bischof zu Raab und Gran für sein geistliches haupt” anerkennen werde. (Johann Alger hatte aus Furcht wegen des sicheren täglichen Broterwerbs diese Aussage vor dem Visitator und Archidiakon Georg Dubovsky aus Ödenburg gemacht. Somit war Johann Alger weder Protestant noch Katholik).
Alger bekam von jedem Haus 1 Metzen Getreide. Da aber durch die Pest von 1600 von 36 Häusern 10 Häuser leer standen, bekam er nur 26 Metzen Getreide, dazu 13 Metzen Hafer und von den 20 Hofstätten je Hofstätte noch 5 Groschen Geld, das am St. Michaelstag zu zahlen war. Die Pfarre Ritzing besaß damals an Pfarrpfründen 1 Weingarten, 2 kleine Wiesen und 1 Viertel-Lehenshaus mit 3 Joch Grund. Die Kirche befand sich in einem guten Zustand und besaß einen kupfernen Kelch, der vergoldet war. Der Pfarrhof wurde zum Teil neu erbaut.
In kirchlicher Hinsicht gab es 1663 eine bemerkenswerte Änderung: Ritzing wurde per Dekret der Diözese Raab von der Mutterpfarre Unterfrauenhaid getrennt und mit dem Patrozinium des Hl. Apostels Jakobus des Älteren, zu dem nun auch die Filiale Lackenbach gehörte, zur eigenständigen Pfarre. Als sich der Katholik Nikolaus Esterházy 1612 mit der reichen Witwe Ursula, Tochter von Franz Dersffy, vermählte und nun die Herrschaft Landsee-Lackenbach übernahm, begann die Gegenreformation durch die Jesuiten von Neckenmarkt.
Erst die Aufzeichnungen der katholischen Visitation des Jahres 1647 liefern den Beweis, dass die Ritzinger vom evangelischen zum katholischen Glauben zurückgefunden hatten und nun wieder „bonum et pius” (das heißt „gute und fromme”) Katholiken waren. Wegen der langen kriegerischen Ereignisse in der Reformations- und Gegenreformationszeit wurde um die Kirche und den Kirchenfriedhof 1647 eine Wehrmauer mit Schießscharten errichtet.
Die Visitatoren des Jahres 1663 vermerkten im Protokoll, dass Ritzing eine schöne, dem Hl. Jakobus des Älteren geweihte Kirche mit einem Turm aus Stein habe. Die Kirche sei zum Teil flach gedeckt, zum Teil gewölbt. Das ist ein Hinweis auf den romanisch-gotischen Baustil, der bis in unsere Zeit erhalten blieb. Die Kirche wird im Visitationsbericht als sehr groß und schön bezeichnet. Das Dach des Gotteshauses war bereits mit Holzschindeln gedeckt. Drei große geweihte Glocken befinden sich im Steinturm. Es wird über ein genau geführtes Taufbuch berichtet, das aber leider im Türkenkrieg 1683 verloren ging. Die vorhandenen Matrikelbücher der Pfarre Ritzing beginnen erst wieder mit dem Jahre 1708 und befinden sich nun im Diözesanarchiv in Eisenstadt. Ein Karner (Grabkapelle) im ehemaligen Kirchenfriedhof ist die Familiengruft der Kleinadelsfamilie Tarnoczy, die 1663 erbaut wurde: „coemeterium cum capella in eodem et ossario habet”. Die Familie Tarnoczy gründete auch eine Kirchenstiftung.
Im Visitationsbericht 1674 wird auch über den alten Kirchenfriedhof berichtet, den es heute nicht mehr gibt. Vor dem Hochaltar befindet sich eine Gruft, in welcher die sterblichen Überreste des fürstlich-esterházyschen Vizegespan des Komitats Ödenburg, Ladislaus von Billakovich (+ am 22. Jänner 1723 im 56.Lebensjahr), liegt. Ferner wurden in dieser Gruft der esterházysche Gutsverwalter Peter Franz Sinnel (+ 1756), dessen Gattin Anna-Katharina Sinnel (+ 1758) und der Ortspfarrer Petrus Brunner (+ 1759) bestattet.
Petrus Brunner versah sein Priesteramt “summa cum laude” - mit größtem Lob, wie die Aufzeichnungen berichten.
Bei unserem künstlerisch wertvollen Hochaltar aus dem 17. Jahrhundert befinden sich folgende geweihte Lindenholzfiguren: oben die Hl. Dreifaltigkeit, rechts davon die Hl. Barbara mit Kelch, links die Hl. Katharina mit Schwert, vier Engelköpfe, Hl. Jakobus d. Ä., unser Kirchenpatron, Hl. Maria mit Mutter Anna, Hl. Joachim mit aufgeschlagener Hl. Schrift, Hl. „apostolischer König” Stephan I. von Ungarn und gegenüber Papst Sylvester II., der König Stephan I. im Jahre 1001 die Königswürde verliehen hatte. Am Kanzelkorb aus dem 17. Jahrhundert befinden sich Christus und die vier Evangelisten: Matthäus mit Engel, Markus mit Löwen, Lukas mit Stier und Johannes mit Adler. Den Kanzeldeckel ziert das Wappen der Familie Tarnoczy, flankiert von zwei schwebenden Engeln. Der Hl. Geist als Taube, der Erzengel Michael als Überwinder Luzifers. Weiters die Statuen der vier doctores ecclesiae - lateinische Kirchenväter: Ambrosius (+ 397), Hieronymus (+ 420), Augustinus (+ 430) und Papst Gregor der Große (+ 604).
In der Wandnische rechts an der Außenmauer befindet sich eine Madonnenfigur aus dem Spätmittelalter.
Neben unserer Kirche zeugen die vielen Kapellen und Wegkreuze vom tiefen Glauben unserer Vorfahren. Es war kein Zufall, dass der Bischof von Raab bei der Visitation 1647 in das Protokoll schreiben ließ, dass die Katholiken von Ritzing „gute und fromme“ Menschen seien. Ihr Motto bei der Errichtung dieser religiösen Bauten muss gelautet haben: „OMNIA ad MAIOREM DEI GLORIAM“ d.h.: Alles zur größeren Ehre Gottes.